Buchtipp von Tobias Pfeifer: Ein neuer Mensch
Michel Houellebecq beschreibt in seinem wohl bekanntesten Roman das Leben der zwei Halbbrüder Michel und Bruno. Gemeinsam haben diese lediglich eine Mutter, die der sexuellen Revolution verfallen ist und ihre Kinder an die Großmutter väterlicherseits abgeschoben hat. In gewohnt sachlichem Erzählstil werden die Leben der beiden gezeichnet: Bruno, der sexbesessene Lehrer, und Michel, der Wissenschaftler, den Sex niemals wirklich interessiert hat. Verantwortlich gemacht wird in erster Linie die Hippie-Mutter, die ihre Kinder verlassen hat. Aber auch Gesellschaftskritik, zum Beispiel Kritik am Jugendwahn, und typische Houellebecq-Themen finden ihren Platz. So wird von zwei metaphysischen Revolutionen der Menschheit gesprochen: der Ausbreitung des Christentums und dem Zeitalter, das die individuelle Freiheit in den Mittelpunkt stellt. Diese Freiheit zerstöre alle metaphyischen Werte und müsse deshalb überwunden werden. Die Lösung liegt, wie bei Houellebecq öfters, in einer biotechnologischen Revolution, d.h. im Klonen oder Züchten eines neuen Menschen.
Gegen Ende ihres Daseins teilen die beiden Brüder wieder ihr Schicksal. Beide haben sich verliebt und leben mit einer Frau zusammen. Beide Frauen begehen aus unterschiedlichen Gründen Selbstmord. Bruno wird es nie verkraften und wird in eine psychiatrische Klinik eingeliefert, während Michel seine ganze Energie in die Wissenschaft steckt und das Unmögliche schafft: die Grundlagen für eine neue Menschenrasse, die die alte ablösen soll.