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Dieser Artikel ist in der Ausgabe erschienen: Nr. 34/18  |  Freitag, 7. September 2018
Südtirol

Idee mit Henne-Ei-Problem

SWZ-SERIE START-UP SÜDTIROL (11) – Das, was Airbnb und Booking weltweit im Bereich Unterkunftsvermittlung sind, soll Yakki für Outdoor Experiences werden. Doch bevor dieses Ziel konkret angegangen werden kann, muss Projektinitiator Nicola Giorgi erst noch einen Investor finden.

Bozen/Wolkenstein – Yakki.net, eine Onlineplattform für die Vermittlung von Outdoor-Entdeckungen, ist so jung, dass es zwar eine funktionierende Homepage gibt, aber noch kein formell gegründetes Unternehmen. Initiiert hat das Projekt Nicola Giorgi, 24 Jahre alt und in Wolkenstein aufgewachsen. Derzeit ist er Student des Masterstudienganges Entrepreneurship und Innovation an der Universität Bozen, Teilzeitmitarbeiter bei einem Industrieunternehmen, Mitarbeiter im Hotel seiner Eltern – und eben auch Start-upper. Letzteres, so wünscht sich Giorgi, soll schon bald seine einzige Aufgabe sein. Dazu muss er jedoch Investoren finden, die bereit sind, in ihn und seine Geschäftsidee zu investieren.
Doch beginnen wir die Yakki-Geschichte von vorne: Giorgi war (und ist) in den Wintermonaten als Skilehrer im Einsatz und machte sich Gedanken, wie er von Skischulen zur Kundenvermittlung unabhängig werden könnte. Daraus entwickelte sich die Idee zu Yakki, als Vermittlungsportal für die Dienstleistungen von Skilehrern. Im Rahmen einer Uni-Lehrveranstaltung machte sich Giorgi im vergangenen Winter an die Umsetzung. „Im Februar ist eine Basisversion bzw. ein Prototyp der Plattform online gegangen“, erzählt der Grödner. Schon vorher hat er versucht, Skilehrer zu finden, die sich über Yakki vermarkten möchten, doch diese Gruppe erwies sich relativ schnell als falsche Zielgruppe. „Die meisten arbeiten mit Skischulen zusammen, und nur wenige sind selbstständig tätig. Als geeignetere Zielgruppe haben sich dann Mountainbike- und Bergführer herauskristallisiert“, so Giorgi.
Weil er nach dem Prinzip Lean Start-up an Yakki arbeitet, bedeutete dieser anfängliche „Stolperer“ kein Ende des Projekts. „Wir arbeiten so effizient wie möglich, indem wir uns an bestimmte Abläufe halten: Der erste Schritt ist, den Kontakt mit Kunden aufzunehmen und zu validieren, welches Problem sie haben und welche Lösungen sie sich vorstellen; erst im zweiten Schritt wird ein Produkt ausgearbeitet“, führt Giorgi aus.
Mit Yakki vergleichbare Angebote, sagt Giorgi, gebe es am Markt durchaus. „Allerdings hat sich bis jetzt in unserem Bereich – Berg/Outdoor – keines wirklich etablieren können“, so Giorgi und fügt an: „Mit einer ausgeklügelten Differenzierungsstrategie können wir es schaffen, uns durchzusetzen.“
Derzeit sind ca. 200 Outdoor Experiences auf Yakki buchbar, der Großteil davon in Italien, weitere in acht anderen Ländern. „Doch wir bewegen uns in einem offenen Markt, wollen uns nicht auf Länder konzentrieren, sondern darauf, dass die Guides zertifiziert sind“, unterstreicht Giorgi. Die Bezeichnung Yakki ist übrigens an die zentralasiatische Rinderart Yaks angelehnt, die Lasten in die Berge des Himalaja transportieren. „Yakki ist in dem Sinne ein Begriff, der mit Guides und Outdoor in Verbindung gebracht wird, an den man sich leicht erinnert und der in vielen Sprachen einfach ausgesprochen werden kann“, betont der junge Grödner.
Das Prinzip hinter Yakki ist einfach: Guides können sich registrieren, Infos und Preise für Touren posten, Kunden können die in ihrer Region angebotenen „Entdeckungen“ filtern, eventuell buchen und bezahlen; nach dem Ausflug können Kunden die Leistung der Guides bewerten. Noch ist die Nutzung von Yakki für Guides kostenlos, doch sobald ein ansprechender Pool an Angeboten aufgebaut und die Besucherzahlen der Seite steigen, soll sich das ändern: 20 Prozent des Preises möchte Yakki dann als Vermittlungsgebühr einbehalten, so wie es Unterkunftsvermittlungsportale wie Airbnb oder Booking auch tun.
„Bei Two-sided marketplaces wie Yakki, wo man zwei Usergruppen ansprechen muss, ist der Start besonders schwierig: Wenn du keine Anbieter hast, dann hast du auch keine Kunden und umgekehrt – ein Henne-Ei-Problem“, sagt Giorgi. Er hat entschieden, die Guides zuerst anzugehen. „Weil es deren Problem ist, das wir lösen.“
Unterstützung bei der Entwicklung von Yakki hat Giorgi nicht nur durch den Uniprofessor der Start-up-Lehrveranstaltung, sondern auch durch einen Mentor, einen Start-upper aus dem oberitalienischen Raum. Auf dessen Empfehlung hat Giorgi inzwischen ein Team zusammengestellt. Dabei hat er auf ein Kriterium besonderen Wert gelegt. „Es darf nicht so sein“, sagt Giorgi, „dass auf einer Seite der Gründer und auf der anderen die Mitarbeiter stehen; alle Beteiligten müssen dieselbe Leidenschaft, dieselben Ziele und Visionen für das Projekt haben.“
Die Suche nach geeigneten Weggefährten hat sich als nicht einfach erwiesen. Auch weil es für die Arbeit an Yakki derzeit noch kein Geld gibt und die Zukunft des Projekts ungewiss ist. Giorgi erhielt Absagen, unter anderem von Studienkollegen im Entrepreneurship-Kurs. „Sie waren zwar von der Idee begeistert, doch dabei sein wollten sie nicht – weil sie es vorziehen, ein fixes monatliches Gehalt zu erhalten“, erzählt Giorgi. „Von den zehn, 15 Leuten, die den Kurs besuchen, arbeiten nur zwei an einem eigenen Start-up. Ein erstaunlich geringer Anteil für einen Kurs, in dem es um Unternehmertum geht.“
Er selbst hat sich dagegen mit dem Hintergedanken Firmengründung für den Entrepreneurship-Studiengang entschieden. „Und deshalb habe ich auch zuerst Informatik studieren, weil IT und Technologien in unserer heutigen Welt so wichtig sind, weil so viele Start-ups auf Digitalisierung basieren“, so Giorgi.
Seit Anfang Juli steht das Yakki-Team nun: Rossella (25) aus dem Fassatal, die mit Giorgi studiert, kümmert sich um das Community Building, also das Managen der Guides. Michael, ein 27-jähriger Grödner, der Internationale Wirtschaftswissenschaften in Innsbruck studiert hat und nun nebenberuflich als Filmmaker arbeitet, hat das Marketing übernommen. Und der Informatikstudent Luca, 23 Jahre alt, ist für den technischen Bereich zuständig. „Es ist ausgemacht, dass bei der Gründung der Gesellschaft auch die jetzigen Teammitglieder Anteile am Unternehmen erhalten“, erzählt Giorgi.
Er selbst kümmert sich um allgemeine organisatorische Aufgaben und ist auf der Suche nach einem Investor – der nächste große und (überlebens-)wichtige Schritt für Yakki. „Der internationale Outdoorsektor ist groß und wächst weiter, und Guides gibt es unzählige. Eine solche Skalierbarkeit ist auch nötig, wenn man ein global ausgerichtetes Start-up gründet. Doch um so ein Projekt anlaufen zu lassen, braucht man entsprechendes Kapital“, erklärt der Start-upper. 200.000 bis 500.000 Euro sind das Ziel für die erste Kapitalisierungsrunde. „Aber letztlich geht es auch darum, wer der Investor ist. Denn Wissen, Inputs und Netzwerk haben auch einen sehr großen Wert.“
Eine Liste mit geeigneten Investoren aus ganz Europa hat Giorgi bereits zusammengestellt, in den nächsten Wochen möchte er sie ansprechen. „Ob es für uns passende Investoren auch in Südtirol gibt, müssen wir erst noch herausfinden“, so Giorgi. Wobei er diesbezüglich eine Erfahrung gemacht hat, die ihm nicht in guter Erinnerung geblieben ist: „Ein Südtiroler Unternehmer wollte bei Yakki einsteigen, allerdings unter der Voraussetzung, dass er die Mehrheit an der Firma erhält“, erinnert sich Giorgi. „Aus meiner Sicht ist das nicht die richtige Investment-Mentalität. Denn das Team, das das Start-up weiterbringen soll, sollte auch etwas davon haben, wenn es sich etabliert.“
Auf einen Firmenstandort möchte sich das Yakki-Team erst nach dem Finden eines Investors einigen, und auch auf die Rechtsform des zu gründenden Unternehmens. Und obwohl es noch keinen Investor gibt, arbeitet das Yakki-Team intensiv an der Weiterentwicklung der Plattform.
Mit einem finanziellen Polster durch den Einstieg eines Investors soll noch ein wichtiger Punkt angegangen werden: Derzeit lautet die Internetadresse yakki.net. „Es hätte yakki.com sein sollen, doch die Domain ist durch einen US-Amerikaner registriert, der die Seite aber nicht nutzt. Ich habe mich mit ihm in Verbindung gesetzt, und er war bereit, die Domain zu verkaufen – für 10.000 Euro. Das war für mein Studentenprojekt zu viel Geld“, sagt Giorgi. „Doch ich möchte die Domain auf jeden Fall kaufen – denn die .com-Domains sind für internationale Projekte die geeignetsten.“
Simone Treibenreif
simone@swz.it
Infobox
„To disrupt the Outdoor Recreation Market“
SWZ: Was macht für Sie ein Start-up aus?
Nicola Giorgi: Die Idee, die dahintersteckt: Es sollte eine innovative, skalierbare Geschäftsidee sein, die ein konkretes Problem löst, dessen Lösung als notwendig angesehen wird. Der zweite wichtige Faktor ist das Team: In einem Start-up arbeitet man als Gruppe auf ein gemeinsames Ziel hin. Bei Yakki ist die Vision: To disrupt the Outdoor Recreation Market by empowering outdoor guides! Also den Outdoormarkt zu disrupten, indem wir den in dem Bereich tätigen Guides wieder „Macht“ zurückgeben, weil sie unabhängig von Kunden-Vermittlungsorganisationen werden. Guides können wieder ihrer Leidenschaft folgen – wir denken an den Rest.
Was bedeutet es, Start-upper zu sein? Trifft die weit verbreitete Meinung zu, Start-upper würden 24 Stunden und sieben Tage in der Woche für ihr Projekt leben, mit einem gähnend leeren Bankkonto, in der Hoffnung, irgendwann groß rauszukommen?
Diese Bilder stimmen durchaus. Auch wenn man nicht wirklich 24 Stunden arbeitet, so ist der Gedanke an das Projekt immer da. Die Aussage mit dem Geld stimmt ebenfalls: Normalerweise ist es ein jüngeres Team, das an einem Start-up arbeitet, da sind die finanziellen Ressourcen – gerade am Anfang – oft eingeschränkt. Einerseits sollte man deshalb nicht zu viel riskieren, andererseits geht es ohne Risiko auch nicht – man muss das rechte Maß finden.
Welches sind die größten Schwierigkeiten für ein Start-up?
Das Überstehen der ersten eineinhalb Jahre. In dieser Zeit befindet man sich in einer „grauen Zone“, in der man immense Fehler machen oder auch komplett scheitern kann. Man verdient kein oder kaum Geld, doch die Leute im Team müssen trotzdem die Kraft und den Willen zum Weitermachen haben – auch nach Fehlern.
Warum haben Sie sich nicht für einen „normalen“ Job entschieden? Möglichkeiten würde Südtirols leergefegter Arbeitsmarkt zur Genüge bereithalten.
Etwas Eigenes aufzubauen, ist eine Herausforderung und ein großer Ansporn. Ich bin sehr ehrgeizig und möchte aus eigener Kraft etwas erreichen und zeigen, welche Fähigkeiten und welches Potenzial in mir stecken. Außerdem ist es so, dass ich derzeit noch nicht Vollzeit-Start-upper bin: Ich arbeite für einige Monate in Teilzeit bei einem wichtigen Südtiroler Unternehmen, wo ich ein Projekt, das ich als Bachelorarbeit umgesetzt habe, weiterentwickle. Doch ich würde mich schon gerne komplett auf Yakki konzentrieren – dazu müssen allerdings die Ergebnisse gut sein und wir müssen einen Investor finden.
Wie sehen Sie die Start-up-Community in Südtirol?
Das ist alles noch neu für mich. Ich weiß aber, dass IDM verschiedenste Events für Gründer organisiert, an denen jeder teilnehmen kann. Mit dem neuen NOI Techpark ist für Start-upper im Land sicherlich einiges in Bewegung gekommen; es ist toll, dass es damit erleichtert wird, hier zu gründen und auch zu wachsen – andererseits habe ich den Eindruck, dass noch alles etwas unreif ist.
Wie ist das Umfeld, sind die Voraussetzungen für ein Start-up-Unternehmen in Südtirol bzw. Italien?
Italien ist momentan für Start-ups nicht so interessant, obwohl die öffentliche Hand durchaus versucht, die Attraktivität des Standorts für Gründer zu steigern, zum Beispiel durch Möglichkeiten wie die „Start-up innovativa“. Auf der anderen Seite hat man Einschränkungen, die es in nordeuropäischen Ländern nicht gibt. Dort sind Bürokratie und Kosten geringer, es gibt mehr Investoren und Business Angels sowie eine Start-up-Community – kurz: Man hat als Start-up mehr „Überlebenschancen“.

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