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Dieser Artikel ist in der Ausgabe erschienen: Nr. 42/18  |  Freitag, 2. November 2018
Gesellschaft

Tarzan und Jane mit Blaulicht

Wahlwerbung – Philipp Achammer erinnerte mich an Tarzans Jane. Die Freiheitlichen forderten mich auf, Zeitung zu lesen. Und überhaupt, bin ich noch sicher? Eine halbernste Nachlese zum Landtagswahlkampf.

Schade irgendwie, dass der Landtagswahlkampf vorbei ist. Die meisten Menschen, die ich derzeit treffe, sind zwar anderer Meinung – sie seien froh, dass sie endlich wieder ohne Wahlwerbung in Zeitung und Radio durch den Tag gehen könnten, denn viel davon sei hochgradig peinlich gewesen, sagen sie. Von mir aus könnte hingegen das ganze Jahr Wahlkampf sein. Erstens bringt die Wahlwerbung uns Medien – auch der SWZ – Geld, und wer mich kennt, weiß, dass ich ein unverbesserlicher Kapitalist bin. Zweitens hatte die Wahlwerbung einen hohen Unterhaltungswert. Was die Kandidaten und Parteien plötzlich so alles besser machen wollten und was sie plötzlich so alles für finanzierbar hielten, war schon großes Kino. Aber noch besser war so mancher Slogan.
Beginnen wir bei der SVP, immerhin ist sie die unangefochten größte Partei geblieben. Deren Obmann Philipp Achammer warb überall mit „Du, Philipp!“ Und jedes Mal erinnerte mich das an „Ich Tarzan, du Jane!“. Ich schwöre, ich wollte das nicht. Aber ich konnte nicht anders, ein ums andere Mal. Furchtbar, der Gedanke, Philipp als Jane …
SVP-Wirtschaftskandidat Gert Lanz blieb da schon männlicher. Sein Werbespruch lautete „Eine gute Wahl … weil wir wissen, dass er’s kann“. Was kann? Und wer ist „wir“? Wer sind diejenigen, die wissen, dass er was auch immer kann? Ich bin bis heute nicht draufgekommen.
Besonders kreativ war SVP-Vizeobfrau Angelika Wiedmer, die mit einem Teufelchen und einem Engelchen im Zwiegespräch warb. Das Teufelchen kündigte an „Zwietracht und Unfrieden“ zu säen. Das Engelchen antwortete: „Nicht mit mir, du übler Vasall!“. Du Vasall? Hoffentlich war nicht Philipp gemeint. Mittlerweile wissen wir: Das Engelchen siegte, Angelika Wiedmer nicht.
Die Süd-Tiroler Freiheit ließ sich ebenfalls nicht lumpen. „Wir wollen keine kriminellen Ausländer!“, warb sie in großen Lettern. Ich will die natürlich auch nicht. Aber genausowenig will ich kriminelle Inländer. Weiters wollen die von der Süd-Tiroler Freiheit „Ärzte, die Deutsch sprechen“. Die hätte ich auch gerne. Aber wenn es die Kombination mal nicht gibt, ist mir der Arzt ohne Deutsch lieber als das Deutsch ohne Arzt.
Mit dem Wollen ist es ja immer so eine Sache. Das wusste schon Karl Valentin: „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“ Und so wollte die Süd-Tiroler Freiheit im Wahlkampf ein „funktionierendes Gesundheitswesen“, den „Bau der Reschenbahn“, „begrenzte Zuwanderung“ und vieles mehr. Aber dürfen lässt die SVP nicht, kann die Süd-Tiroler Freiheit jetzt sagen.
Wechseln wir zu den Freiheitlichen. Auf die großen Verlierer dieser Landtagswahl, die sich vor fünf Jahren schon als die neue Volkspartei sahen, lässt es sich jetzt ja hemmungslos dreindreschen, denn wer den Schaden hat, braucht für den Spott bekanntlich nicht zu sorgen. „Im Landtag streiten wir unermüdlich für Ihre Interessen. Damit Sie auch mal in Ruhe die Zeitung lesen können“, warben sie in der Tageszeitung Dolomiten. Jetzt ist es so, dass die Freiheitlichen – bis auf zwei – selbst viel Zeit fürs Zeitunglesen haben. Und wir armen Wähler müssen uns alles selber tun. Nix wird’s mit Zeitunglesen!
Tamara Oberhofer warb mit folgendem Satz: „Deine Zukunft ist nicht der Spielball der Politik“. Hä? Ich habe den Satz wieder und wieder gelesen, aber ich verstehe ihn einfach nicht! Er übersteigt schlicht meine intellektuellen Fähigkeiten. Jedenfalls ist nun auch Oberhofers Zukunft nicht mehr der Spielball der Politik.
Jene ihres Parteikollegen Sigmar Stocker ebenfalls nicht. Seine wahlwerbende Aufforderung lautete: „Richtig wählen um sicher zu leben“ (ja, genau so, ohne Beistrich vor dem „um“). Gut, die Wähler sind Stockers Aufforderung, richtig zu wählen, gefolgt und haben … nicht ihn, sondern Salvini gewählt – vor allem Salvini, wohlgemerkt, und weniger die lokalen Leghisti! Wobei mir ein Zweifel kommt, ob Stockers Aufforderung vielleicht ganz anders gemeint war. Etwa so: „Wehe, wenn ihr mich nicht wählt, dann blüht euch etwas!“ Wenn dem so wäre, dann sind jetzt ziemlich ein paar Südtiroler nicht mehr sicher vor dem Sigmar.
Da ist es ganz blöd, dass es der SVPler Reinhard Zublasing nicht in den Landtag geschafft hat. „Südtirol braucht eine Landespolizei“, forderte er in der Wahlwerbung. Die hätte uns jetzt beschützen können vor dem Sigmar. Aber weil es mit der Landespolizei nichts wird, wende ich mich halt an Arnold Schuler und Arno Kompatscher, die in einer Wahlwerbung gemeinsam aus der Zeitung lachten mit dem Satz: „Gemeinsam mit den freiwilligen Blaulichtorganisationen für Sicherheit im Land.“ Alles in Butter also, alles sicher. Zum Glück machen Schuler und Kompatscher gemeinsame Sache mit den Blaulichtorganisationen – und nicht mit den Rotlichtorganisationen.
Zurück zu Salvini, dessen Konterfei auf den Wahlwerbungen so groß prangte, dass viele seiner Wähler zum Schluss kamen, dass er persönlich für den Südtiroler Landtag kandidiert. „Aiuta il capitano Matteo Salvini“, lautete der Werbeslogan. 31.510 Wähler haben dem Kapitän geholfen und stellen jetzt fest, dass nicht er auf dem Spielfeld steht, sondern vier Ersatzspieler.
Ein anderer Parteikapitän spielt ebenfalls nicht mit, oder besser gesagt: nicht mehr. Andreas Pöder wollte „Aufpassen. Aufdecken. Kämpfen. Für euch.“ Nun, wo die Wiederwahl missglückt ist, kann er endlich mal an sich selbst denken. Endlich!
Mario Vitale von Forza Italia ist da schon weniger altruistisch veranlagt als Andreas Pöder. Er wollte nicht etwas für mich tun, sondern ich sollte laut Wahlwerbung etwas für ihn tun: „Aiutami a migliorare la sanità in Alto Adige“. Mah, keine Zeit, habe schon als Journalist genug zu tun.
Im Gegensatz zu Pöder und Vitale hat Alessandro Urzì von L’Alto Adige nel Cuore – Fratelli d’Italia den Sprung in den Landtag geschafft. Und das obwohl sein Werbeslogan gar nicht funktionierte. „Vota italiano“, forderte er. Ich wollte Urzì eine Freude bereiten und das tun. Also legte ich mir ein paar Namen zurecht, die sich geeignet hätten: zum Beispiel Gioacchino Purovecchio, Giuseppe Sottolegno und Bernardo Stanzamaso. Das Problem: Ich bekam einfach nicht vier Namen aus einer Partei zusammen. Also wählte ich dann halt doch deutsch. Mi dispiace, Alessandro Urzì.
Christian Pfeifer
christian@swz.it

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