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Dieser Artikel ist in der Ausgabe erschienen: Nr. 06/19  |  Freitag, 8. Februar 2019
Menschen & Unternehmen

Von Zoersel nach Brixen

Fachkräftemangel – Qualifizierte Mitarbeiter zu finden, erweist sich als immer schwieriger, und ausländische Fachkräfte wie Roxanne Rosseel, die es nach Südtirol zieht, sind bei Unternehmen heiß begehrt. Seit Mai letzten Jahres arbeitet die junge Belgierin in Brixen und ist begeistert.

Brixen/Bozen – Die Liebe zog Roxanne vor acht Jahren nach Südtirol, bereut hat sie es nie. Ihren Bozner Freund lernte sie noch in der Studienzeit kennen, während des gemeinsamen Erasmusjahres in Triest, „ganz klischeehaft, ich weiß“, schmunzelt sie. Die Entscheidung, ihre Heimat Belgien zu verlassen, fiel Roxanne damals nicht schwer, sie fühlte sich sofort wohl in Südtirol. „Südtirol hat so viel zu bieten“, schwärmt die junge Belgierin von ihrem neuen Zuhause, auch nach acht Jahren fühlt sie sich noch wie im Urlaub, wenn sie morgens mit dem Auto zur Arbeit fährt und durch das Fenster die Sonne hinter den Bergen aufgehen sieht.
In fließendem Deutsch erzählt Roxanne, was sie an Südtirol besonders liebt. Vor allem ist es die Natur, die es ihr angetan hat, vom Skifahren und Langlaufen im Winter bis zum Bergwandern im Sommer biete Südtirol so viele Möglichkeiten, die sie in ihrem Heimatort Zoersel nicht hatte. Auch die Küche Südtirols hat sie sofort ins Herz geschlossen: „Ich habe hier so viele neue Lieblingsgerichte entdeckt, zum Beispiel die Schlutzkrapfen.“ Und die Südtiroler selbst bezeichnet Roxanne als „freundlich, offen und sehr hilfsbereit“, das bemerke sie vor allem auch bei ihrer Arbeit.
Bis zum vergangenen Jahr arbeitete Roxanne in verschiedenen Büros oder als Französischlehrerin, dann wechselte sie zur Progress Group in Brixen, wo sie seit Mai als Marketing und Project Assistant bei Progress Software Development (PSD) tätig ist. Roxanne wohnt in Bozen und nimmt jeden Tag den Weg nach Brixen auf sich. „Die Stadt ist super, so idyllisch, typisch Südtirol.“ Dadurch, dass sie außerhalb des Zentrums arbeitet, ist sie nicht oft in der Stadt, besuchte aber den Weihnachtsmarkt im Dezember und freut sich schon auf „Aperitivo“-Abende in der Altstadt im Frühling.
Dass sie sich bei der neuen Arbeit sehr wohlfühlt, wiederholt Roxanne mehrfach. Ihr Job ist sehr abwechslungsreich und bietet viele neue Herausforderungen, außerdem hat sie hier die Möglichkeit, all ihre Sprachkenntnisse einzusetzen: Das Unternehmen arbeitet stark mit den Niederlanden und Belgien zusammen, und im internationalen Team wird abgesehen von Deutsch und Italienisch auch sehr viel Englisch gesprochen.
Abgesehen von Deutsch und Niederländisch, ihrer Muttersprache, spricht Roxanne fließend Englisch und studierte Übersetzerin für Italienisch-Französisch in Antwerpen. Auf dem Arbeitsmarkt hat sie damit einen großen Vorteil: Vor allem bei größeren Unternehmen mit internationalen Kunden sind Sprachkenntnisse, auch über das typische Deutsch-Italienisch-Englisch hinaus, sehr gefragt.
Für Südtiroler Unternehmer sind Menschen wie Roxanne ein Segen, passende Mitarbeiter zu finden, gleicht immer mehr der Suche nach einer Nadel im Heuhaufen. Seit Jahren warnen Experten in Südtirol vor dem wachsenden Fachkräftemangel; die Generation der Baby-Boomer geht langsam in Rente, und immer weniger junge Leute kommen nach, gleichzeitig wachsen Unternehmen wie PSD und benötigen neue, qualifizierte Mitarbeiter. Vor allem fehlt es an spezialisierten Leuten in der Technik: Ingenieure, Mechatroniker, Informatiker, Programmierer und Systemtechniker sind knapp, aber auch in Medizin, Gastronomie, Handwerk, Bildung und Wirtschaft fehlt es an Leuten.
Deshalb ist es wichtig, auf der einen Seite jungen Südtirolern vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten zu bieten und diese zu fördern, und andererseits Südtirol als potenziellen Arbeitsmarkt attraktiver zu machen: für ausländische Fachkräfte, vor allem aber auch für junge Südtiroler, die im Ausland studieren und denen das Land oft nicht ausreichend Perspektiven bietet, nach dem Studium wieder zurückzukommen.
Anna Welscher

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